Teil I: Bis 15. Jahrhundert
OBERWESEL wurde bereits vor der Römerzeit von dem keltischen Stamm der Treverer besiedelt. Der Name ist keltischen Ursprungs. Die Römer, seit 58 v. Chr. am Rhein, richteten wohl 12 v. Chr. in „Vosolvia" eine Militärstation ein. Im 5 Jh. nahmen die Franken das Mittelrheingebiet in Besitz. Sie machten aus der römischen Fiskale „Vosolvia" einen Königshof „Vesalia" / „Wesile" zur Verwaltung des mittelrheinischen Königslandes.
966 schenkte dann Kaiser Otto I. den Amtsbezirk (Ober-) Wesel (Civitatem Wisilia) mit Leibeigenen und Rechten dem Erzbistum Magdeburg. 1166 gelang es Friedrich I. (Barbarossa), (Ober-) Wesel aus dieser Zughörigkeit wieder zu lösen. Damit waren „Wisele", mittlerweile ein „Oppidium" (befestigte Stadt), und die Schönburg nach 200jähriger Abhängigkeit von Magdeburg wieder beim Reich. Das Vogteirecht über die Stadt verblieb noch bei den Herren von Schönburg.
1216 übergab Kaiser Friedrich II. Stadt und Burg wieder dem Erzbistum Magdeburg, bis sie 1220 gegen 2.000 Mark Silber an das Reich zurückkamen. Ein Schöffengremium und ein Stadtsiegel künden von der Selbstverwaltung. 1237 wurde (Ober-) Wesel durch Zahlung von 3.000 Mark Silber von der Vogtei der Herren von Schönburg befreit, die weiterhin Reichsministeriale blieben. Sie traten auch bei benachbarten Fürsten in Lehensverhältnisse und gelangten zu immer bedeutenderem Ansehen und Besitz. Die Stadt Oberwesel hatte durch diese Zahlung die freie, volle Reichsunmittelbarkeit erworben, die 1257 durch König Richard von Cornwallis bestätigt und nochmals 1274 von Kaiser Rudolf von Habsburg dokumentiert wurde. Die provosorische Umwallung mußte dem gefügten Mauerwerk weichen, die Stadt erhielt ihre Befestigung.
1254 wird Oberwesel Mitglied des Rheinischen Städtebundes. Die Klöster Eberbach, Schönau und Werschweiler besaßen hier Anwesen und Ländereien. Die Gründung des Klosters „Allerheiligen" der Benediktinerinnen (später Zisterzienserinnenkloster und 1802 abgebrannt) geht bis ins 8. Jh. zurück. Das Minoritenkloster, dessen Ruinen in der Oberstraße bis heute noch erhalten sind, war eines der ältesten Franziskanerklöster in Deutschland und besaß bereits 1262 eine bedeutende Lateinschule. Die Wernerkapelle wurde als Hospitalkapelle Ende des 13. Jd. erbaut. Damals besaß die Stadt als einzige am Rhein zwischen Mainz und Koblenz zwei Kollegialstifte, Liebfrauen und St.Martin, deren Kirchen im 14. Jh. neu erbaut und in den folgenden Jahrhunderten weiter ausgeschmückt wurden. Mit ihren Altären, Epitaphien und Geläuten gelten sie als kunsthistorische Kostbarkeiten von europäischem Rang. Die kleine Katharinenkapelle, die zum Eberbacherhof gehörte stammt aus dem 15. Jahrhundert.
Kaiser Heinrich VII. verpfändete 1309 und endgültig 1312 Oberwesel und Boppard seinem Bruder Balduin, Erzbischof und Kurfürst zu Trier. Bis zum Ende des alten Reichs verblieb Oberwesel mit den zugehörigen 18 Ortschaften bei Kurtrier. Die um viele Rechte geschmälerte Stadt lehnte sich gegen Kurfürst Werner von Falkenstein 1389 auf, wurde ein Jahr lang belagert und mit Feuergeschützen beschossen (Weseler Krieg). Zur gleichen Zeit war die Schönburg eine große Ganerbenburg geworden, die dem Erzbischof von Trier als Stützpunkt diente.




