Teil VI: Von 1970 bis 1980
Im Juni 1969 stimmte die Verbandsgemeinde der Zielplanung der Bezirksregierung Koblenz von Oktober 1968 betreffend die künftige Gestaltung der Verbandsgemeinde zu, zumal sie sich mit der Schulbezirkseinteilung für eine dreizügige Hauptschule und eine Realschule Oberwesel deckte. Nachdem schon durch Landesgesetz vom 16. 7. 1968 bestimmt worden war, daß die bisher in den Regierungsbezirken Koblenz und Trier bestehenden Ämter als Verbandsgemeinden fortbestehen, wurde durch das Achte Landesgesetz vom 28. Juli 1970 mit Wirkung vom 7. 11. 1970 u.a. auch die Verbandsgemeinde Oberwesel in dem bisher bestehenden Umfang aufgelöst und eine Verbandsgemeinde Oberwesel mit dem Sitz der Verwaltung in Oberwesel neugebildet aus der Stadt Oberwesel und den Gemeinden Damscheid, Dellhofen, Langscheid, Laudert, Niederburg, Perscheid, Urbar und Wiebelsheim. Die bisher bestehende Personal- und Realunion zwischen der Stadt Oberwesel und der Verbandsgemeinde Oberwesel wurde mit dem gleichen Tage aufgelöst.
Weil die Amtszeit des hauptamtlichen Bürgermeisters der Stadt Oberwesel am 23. 2. 1971 endete, mußte ein neuer ehrenamtlicher Bürgermeister gewählt werden, da nun in verbandsangehörigen Gemeinden mit weniger als 5000 Einwohnern der Bürgermeister nur ehrenamtlich tätig sein durfte. Angesichts seiner großen Verdienste um die Stadt während seiner 22jährigen Amtszeit beschloß der Stadtrat August Zeuner zum neuen ehrenamtlichen Stadtchef zu wählen. Das bisherige Oberweseler Rathaus wurde an die Verbandsgemeinde vermietet.
Ein großer Tag für die Stadt Oberwesel war die Einweihung des neuen Schulzentrums, mit dessen Bau im März 1970 begonnen worden war, am 22. November 1972 in Anwesenheit von Kultusminister Dr. Bernhard Vogel.
Am 22. April 1972 wurde durch Landesgesetz auch die Verbandsgemeinde Oberwesel aufgelöst und die Verbandsgemeinde St. Goar-Oberwesel mit dem Verwaltungssitz Oberwesel neu gebildet. Ende 1973 bzw. Anfang 1974 mußte sich Oberwesel von den Franziskanerschwestern verabschieden, die anderer Aufgaben wegen und auch infolge Nachwuchsmangel zum Mutterhaus nach Waldbreitbach zurückgerufen wurden.
Die Verwaltung des Krankenhauses war zum 1. Juli 1972 in die Trägerschaft der Stadt Oberwesel übergegangen, wo sie bis 31. Dez. 1978 verblieb.
In die Stadt Oberwesel eingemeindet wurden zum 1. Januar 1974 auf eigenen Antrag aufgrund von Eingemeindungsverträgen die bisher selbständigen Gemeinden Langscheid, Dellhofen und Urbar. In den Folgejahren wurde dann auch intensiv an der Erfüllung der gegenüber diesen Gemeinden übernommenen Verpflichtungen gearbeitet, u.a. durch Anlage von Kinderspielplätzen, Schaffung eines Kindergartens in Urbar, von Mehrzweckgebäuden, Verbesserung der Sportplätze usw.
Ein Schock nicht nur für die Einwohner von Oberwesel war es, als Unbekannte in der Nacht zum 27. Februar 1975 insgesamt 60 Figuren, darunter allein 57 Figuren des weltbekannten „Goldaltars", aus der Liebfrauenkirche raubten.
Aufgrund einer von Interpol eingeleiteten Großfahndung wurden 47 Figuren Ende Februar in der belgischen Hauptstadt Brüssel und im November 1989 sechs weitere Figuren in einer spektakulären Aktion in Utrecht/Holland sichergestellt.
Im Oktober 1974 zog das Polizeikommando von Oberwesel ab; zuständig war von nun an das Polizeikommando Boppard. Tiefe Trauer herrschte in Oberwesel anläßlich des Todes des langjährigen verdienten Bürgermeisters der Stadt Oberwesel August Zeuner, der im Alter von 63 Jahren verstarb. In der Stadtratsitzung am 17. Januar 1977 wurde Hans Stemick zum neuen Bürgermeister gewählt. Am 5. März 1977 wurde in einer Feierstunde mit Vertretern der Öffentlichkeit von nah und fern das neue Jugendgästehaus des Jugendherbergsverbandes neben der Schönburg eingeweiht. Es verfügt über 189 Betten, mehrere Tagungsräume und einen Konferenzsaal mit 200 Plätzen, einem Bad und andere zweckentsprechende Räume insbesondere für Behinderte.
Nach einer Bauzeit von mehr als einem Jahr wurde die Stadt Oberwesel und der Ortsteil Dellhofen im November 1977 an die neue Kläranlage Oberwesel angeschlossen.
Das erste Halbjahr 1978 war geprägt von lebhaften Diskussionen um den Landeskrankenhausplan. Zum 1. Januar 1979 wurde ein Krankenhausträger-Verein „Krankenhaus Oberwesel-St.Goar e.V."gebildet, dem in Zusammenarbeit mit dem Luxemburger Orden der „Tertiar Karmelitinnen" die Betriebsführung der beiden Krankenhäuser Oberwesel und St. Goar oblag. Diese Konstellation währte bis zur Rückkehr der Franziskanerinnen von Waldbreitbach zum 1. Juli 1985. Die Stadt Oberwesel hat mit der „Krankenhaus GmbH. St.Goar-Oberwesel" einen Erbbaurechtsvertrag zur Überlassung des Grundbesitzes und der Baulichkeiten bis zum Jahr 2045 abgeschlossen. Am 30, August 1980 wurde die herrliche Barockorgel der Liebfrauenkirche nach mehrjähriger Restaurierung durch die Firma Klais (Bonn) fertiggestellt und feierlich eingeweiht.




