Die Martinskirche
Die Anfänge der Pfarrei St. Martin reichen bis in die Frankenzeit zurück. Sie war das Zentrum für die Seelsorge in einem großen Pfarrbezirk. Mit Urkunde vom 12. Dezember 1303 errichtete der Trierer Erzbischof Dieter von Nassau an der roman-ischen Vorgängerkirche der heutigen Martins-
kirche ein Kollegiatstift für einen Probst, einen Dekan und fünf Stiftsherren. Das Patronatsrecht über das Martinsstift lag in der Hand der Schönburger. Damit hatten sie das Recht, geeignete Kleriker für eine Stiftsherrenstelle vorzuschlagen. Das gab den Schönburgern erheblichen Einfluss auf das Stift und die Kirche. Die alte romanische Martinskirche war bald für das neugegründete Stift zu klein, weil die Stiftsgeistlichen für die Stundengebete einen größeren Chorraum brauchten.
Um 1350 begann man mit dem Neubau der heutigen Martinskirche. Für ihre Architektur war die Liebfrauenkirche das Vorbild. Bei gleicher Grundkonzeption wurde der Turm der Martinskirche jedoch ganz anders gestaltet. Da die Kirche hoch über der Stadt an einer für die Verteidigung wichtigen Stelle lag, baute man den Turm zu einem Wehrturm aus. Er ist das überzeugendste Beispiel sakraler Wehrarchitektur der Gotik im Rheinland.
Die Bauarbeiten an der Kirche gingen nur schleppend voran, weil sich die wirtschaftliche Grundlage des Stiftes mit dem Aufkommen der Geldwirtschaft verschlechtert hatte. Erst um 1500 war das nördliche Seitenschiff fertig. Das südliche konnte aus finanziellen Gründen nie gebaut werden.
Wie alle Stifte im Rheinland wurde auch das Stift St. Martin von Napoleon 1802 aufgelöst.
In der Martinskirche verdienen die Wandbilder aus dem 16. Jahrhundert und eine hochgotische Madonna aus der Mitte des 15. Jahrhunderts besondere Beachtung. Im Chorgewölbe ist nach den Restaurierungs-
arbeiten von 1962 bis 1968 wieder die gotische Ausmalung aus der Erbauungszeit zu sehen.
Die Liebfrauenkirche
Im Süden vor der Stadt stand schon früh eine der Gottesmutter geweihte Kirche. Um 1219 wurde der große Pfarrbezirk von St. Martin aufgeteilt. Alle Rodungsdörfer südlich des Oberbaches kamen zur Pfarrei Liebfrauen, alle Dörfer nördlich davon blieben bei St. Martin. Diese alte Grenzziehung hat heute noch Bedeutung für das Pfarrleben in der Stadt. Der Trierer Erzbischof Arnold von Isenburg errichtete 1258 an der romanischen Vorgängerkirche der heutigen Liebfrauenkirche ein Kollegiatstift für einen Dekan und sechs Kanoniker. Die Erhebung der Pfarrkirche zu einer Stiftskirche stand damals sicher im Zusammenhang damit, dass Oberwesel eine Freie Reichsstadt geworden war. Mit dem Bau der heutigen Liebfrauenkirche wurde 1308 begonnen. Der Hochchor mit Goldaltar, Chorgestühl und Lettner war schon vor der Mitte des 14. Jahrhunderts soweit fertig gestellt, dass er von den Stiftsherrn für Gottesdienste und Stundengebete genutzt werden konnte. Der Weiterbau am Langhaus, dem 72m hohen Turm und dem großen Dach zog sich noch bis zum Ende des Jahrhunderts hin.
Die Liebfrauenkirche gilt wegen ihrer Architektur und ihrer Ausstattung als eine der bedeutendsten hochgotischen Kirchen im Rheinland.
Die einzelnen Baukörper weisen klare geometrische Formen auf und verzichten auf alle Schmuckformen. Dadurch weicht die Liebfrauenkirche in ihrer äußeren Erscheinung vom gewohnten Bild einer gotischen Kirche erheblich ab. Die Andersartigkeit setzt sich im Innern fort: Statt schlanker gotischer Säulen mächtige Pfeiler, das Mittelschiff hochaufragend, die Seitenschiffe niedrig angesetzt, das Langhaus durch einen Lettner geteilt, so zeigt sich das Kirchenschiff als ein Raum von beeindruckender Höhe.
Von der großen Fülle bedeutender Kunstwerke in der Liebfauenkirche verdienen besondere Beachtung:
Der Goldaltar
Er ist einer der ältesten hochgotischen Schreinaltäre in Deutschland. Der dreiflügelige Altar ist wie die Fassade einer gotischen Kathedrale gestaltet mit prächtigen Rosen, Wimpergen, Pfeilern und Arkaden.In zwei Zonen übereinander stehen vor Goldgrund die farbig gefassten Figuren. Sie verkünden vom Erlösungswerk Gottes an den Menschen.
Der Lettner
Er ist der kunstvolle Abschluss des Hochchores und wie eine steinerne Laube gestaltet. Schlanke Säulen tragen sieben rhythmisch gegliederte Gewölbejoche mit freistehendem Maßwerk von besonderer Qualität. Auf reich verzierten Konsolen stehen die vier Evangelisten. Vom Lettner herab wurden früher Epistel und Evangelium verkündet und sangen die Chorknaben des Stiftes.Altarbilder
Die Liebfrauenkirche besaß als Stiftskirche früher 19 Altäre. Von denen, die erhalten blieben, verdienen besondere Beachtung: Der Nikolausaltar von 1506 im nördlichen Seitenchor, ein Krippenschrein aus der Zeit um 1480, eine Lehrtafel, auf der wie bei einem modernen Comic die aufregenden Ereignisse der letzten 15 Tage vor dem Ende der Welt geschildert werden und der Marthaaltar von 1503 im südlichen Seitenchor.Der Figurenschmuck
Außen am Hochchor steht unter einem Baldachin eine hochgotische Madonna aus der Zeit der Chorweihe um 1330, im Volksmund die „Schiffermadonna“ genannt. Im Kircheninnern ragen wegen ihrer Qualität besonders ein Epitaph von 1515 für Peter Lutern, einem Stiftsherrn aus altem Oberweseler Stadtadel, und das Denkmal für das ritterliche Paar Ludwig von Ottenstein und Elisabeth von Schwarzenberg besonders hervor.Wandmalereien
Von der reichen mittelalterlichen Ausmalung sind noch 25 Wandbilder erhalten.
Das Minoritenkloster
Bereits um 1242 gründete der Orden der Franziskaner in Oberwesel ein Kloster. Mit dem Bau einer eigenen Klosterkirche begannen die Bettelmönche um 1280. Diese Klosterkirche war eine der frühesten gotischen Kirchenbauten in Deutschland. Den Bedürfnissen eines Predigerordens entsprechend, wurde die Kirche als zweischiffige, asymmetrische gotische Hallenkirche gebaut mit weit vorragendem Chor und einem kürzeren Seitenschiff. Als Kirche des Bettelordens besaß sie kein Querhaus und als Zeichen der Demut keinen Kirchturm, sondern nur einen kleinen Dachreiter für eine Glocke.Nach einer Reform des Franziskanerordens schloss sich der Konvent von Oberwesel 1517 der Richtung der Minoriten, der Minderbrüder an. Seitdem wird das ehemalige Franziskanerkloster in Oberwesel Minoritenkloster genannt.
In der Reformation verließen viele Mönche das Kloster. Fürstbischof Johann VI. von der Leyen hob es deshalb auf und richtete in den Gebäuden die kurfürstliche Kellerei (Vermögensverwaltung) für das Oberamt Oberwesel ein.
In der Zeit der Gegenreformation kamen die Minoriten 1621 wieder nach Oberwesel zurück. An ihre Lateinschule erinnert heute noch das Schulgässchen, jetzt Eingang in
das Museum und das Kulturhaus.
Napoleon hob das Kloster 1802 auf und ließ den ganzen Besitz für 4000 Francs versteigern. Kirche und Klostergebäude fielen 1836 einem großen Stadtbrand zum Opfer. Danach zogen Leute, die kein Dach mehr über dem Kopf hatten, in die Ruinen ein.
Das Heilig-Geist-Hospital – Die Mutter-Rosa-Kapelle
Nahe an der rheinseitigen Stadtmauer erbauten Bürger von Oberwesel um 1300 ein Heilig-Geist-Hospital mit einer Kirche als bürgerliche Stiftung. Wie groß ursprünglich Hospital und Kirche einmal waren, ist wegen der starken Überbauung nicht mehr zu klären. Auf dem Gelände wurden seit dem 14. Jahrhundert immer wieder Einrichtungen zum Wohl kranker Menschen gebaut. Heute stehen dort die Loreley-Kliniken und das Altenheim.Bei der Verwüstung der Stadt im Pfälzer Erbfolgekrieg 1689 durch die Truppen Ludwig XIV. wurden auch Hospital und Kirche zerstört. Um 1700 baute man von ihr nur den Chor als Kapelle wieder auf. Dem Stilempfinden der Zeit entsprechend bekam sie eine barocke Dachhaube. Der Chor der Kapelle ist auf der Stadtmauer aufgesetzt. Dieses romantische Motiv hat Maler zu allen Zeiten gereizt.
Seit wann die Kapelle, die einst wie das Hospital das Patrozinium vom Hl. Geist getragen hat, Wernerkapelle genannt wird, ist nicht geklärt. Werner wurde von der Kirche nie heilig gesprochen.
Der Name Wernerkapelle ruft die Erinnerung wach an eine schwere Verfolgung der Juden im Jahre 1287, ein dunkles Kapitel in der Stadtgeschichte.




